19.04.06
Mit Brot gesund zum Idealgewicht?

Die Schweizerische Bevölkerung nimmt zu. Nicht zahlenmässig, sondern gewichtsmässig. Bereits 2001 hatten 42% der Männer und 28% der Frauen ein zu hohes Körpergewicht. Und diese Entwicklung hat sich fortgesetzt, wie dem neusten Ernährungsbericht des Bundesamtes für Gesundheit BAG zu entnehmen ist. Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung geben Gegensteuer. Zu letzterer gehört auch Brot. Mehr noch: Es kann gar beim Abnehmen helfen.

Dass Brot in einem Internet-Lexikon der «Gesundheit Sprechstunde» zum Thema «Schlank in 8 Schritten» nach Wasser auf dem zweiten Platz folgt, mag erst einmal erstaunen. Doch dann wird ersichtlich, dass Brot, «jahrelang als Dickmacher verschrien, heute der Schlüssel zur gesunden Ernährung ist». Zu Unrecht sei Brot als Dickmacher bekannt, so Sonja Leissing in ihrem Artikel im Internet. Man müsse einfach die richtige Sorte wählen und schon sei «ein erster Schritt Richtung Gewichtsreduktion gemacht». Sonja Leissing zitiert auch Ursel Wahrburg, Professorin für Ernährungswissenschaften an der Fachhochschule Münster in Deutschland, welche allen, die abnehmen oder ihr Gewicht halten wollen, täglich 200 bis 250 Gramm Vollkornbrot empfiehlt, also zirka 4 bis 5 Scheiben. Brot sei aus unserer Ernährung nicht mehr «wegzudenken». Vor allem Vollkornbrot, so die Professorin im Artikel, sollte täglich auf unserem Speisezettel stehen.

Ebenfalls «8 Tipps» als Grundlage für eine gesunde Ernährung kennt die Eidgenössische Ernährungskommission, und erneut findet man pflanzliche, stärkereiche Nahrungsmittel – unter anderem also auch Brot – auf dem zweiten Platz, diesmal unmittelbar anschliessend an die Empfehlung, abwechslungsreich zu essen und körperlich aktiv zu bleiben.

«Kein Nahrungsmittel macht dick oder schlank», antwortet Beatrice Conrad, Präsidentin des Schweizerischen Verbandes diplomierter ErnährungsberaterInnen auf die Frage, ob Brot denn nicht dick mache. Das Problem bei Übergewicht sei nicht, dass man von einem Nahrungsmittel zu viel konsumiere, sondern dass «wir nicht verbrauchen können, was wir zu uns nehmen». «Aber», so die diplomierte Ernährungsberaterin, «Brot ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung». Aus ernährungsphysiologischer Sicht gehörten Brot und andere Getreideprodukte auf den täglichen Speisezettel. Und: In ihrer Praxis komme sie heute tendenziell immer häufiger mit Personen in Kontakt, die «beim Brot eher zu sehr sparen». Auch habe Vollkornbrot, als sättigende Beilage, die kein zusätzliches Fett liefere, einen wichtigen Stellenwert im Menüplan von Personen mit Übergewicht. Und beim Bundesamt für Gesundheit heisst es: «Brot hat in der Lebensmittelpyramide seine Berechtigung, da es als wichtiger Lieferant von Kohlenhydraten zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung beiträgt.»

Viel Vitamine und wichtige Mineralstoffe

Dass Brot gesund ist, ist aufgrund seiner Zusammensetzung eigentlich nicht wirklich erstaunlich. Immerhin enthält es zahlreiche überlebenswichtige Stoffe. Dazu zählen vor allem Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Bei den Vitaminen kann Brot insbesondere mit jenen der B-Gruppe aufwarten. Verglichen mit Milch oder Schweinefleisch liefern gewisse Brotsorten den grössten Anteil folgender Vitamine: Vitamin B1 (mitverantwortlich für die Funktionstüchtigkeit der Nerven und der Herzmuskulatur), B2 (spielt wichtige Rolle bei Wachstum und Eiweissstoffwechsel sowie bei der Blutbildung), B6 (wichtig für das Nervensystem), Niacin (ein B-Vitamin) und Folsäure. Es enthält zudem die Mineralstoffe und Spurenelemente Kalzium (wichtig für Knochen und Zähne), Phosphor, Magnesium (Muskelfunktionen), Kalium (zur Regelung des Wasserhaushalts), Eisen (Blutbildung), Zink und Mangan. Brot, insbesondere Vollkornbrot, aber auch Leinsamenbrote, Kleiebrote, Haferkleiebrote und Sojabrote sind im Weiteren reich an Ballaststoffen, den so genannten Nahrungsfasern. Diese sorgen für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl, regen die Darmtätigkeit an und wirken verdauungsregulierend.

Brot ist in erster Linie aber auch als idealer Energielieferant bekannt. Es besteht zu 50% aus komplexen Kohlenhydraten, welche im Körper zu Energie umgewandelt werden. Einige Zellarten sind sogar ausschliesslich auf die Versorgung mit Kohlenhydraten angewiesen. Dazu gehören die roten Blutkörperchen, aber auch das Gehirn.

Lieber weniger Fett als weniger Kohlenhydrate

Wer seine Energiezufuhr reduzieren möchte, hat gemäss Ernährungswissenschaftlerin Christine Römer-Lüthi, tätig am Ausbildungszentrum Insel in Bern, grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Er oder sie kann den Kohlenhydratanteil in der Ernährung einschränken – und/oder den Fettgehalt. Eine Einschränkung des Eiweissanteils ist nicht empfehlenswert, weil dies längerfristig schwerwiegende Mangelerscheinungen zur Folge hätte. In ihrem Bericht «Passt Brot noch in eine moderne Ernährung?» hat die Wissenschaftlerin die beiden möglichen Varianten zur Gewichtsreduktion anhand von Forschungsarbeiten verglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass an Fettleibigkeit leidende Menschen mit einer kohlenhydratarmen, energieverminderten Ernährung zu Beginn rascher und mehr Gewicht verloren als mit einer fettverminderten Ernährung (bei gleicher Energiezufuhr). Bereits nach einem Jahr waren jedoch keine signifikanten Unterschiede im Durchschnittsgewicht der beiden Personengruppen mehr feststellbar. Aufgrund der Arbeiten fiel aber auf, dass die Rate der Aussteiger einer kohlenhydratarmen Ernährung tendenziell etwas höher lag als bei den fettreduzierten Ernährungsweisen. Auch langfristig scheint eine Fettreduktion leichter zu bewerkstelligen sein als eine Kohlenhydratreduktion. Gemäss Römer-Lüthi zeigte eine Befragung von Personen, die nach einer Gewichtsreduktion ihr tieferes Gewicht über mehrere Jahre halten konnten, auf, dass der Grossteil der Erfolgreichen sich deutlich fettreduziert, aber durchaus kohlenhydrathaltig ernährt hatten.

Link:
Schweizerischer Verband diplomierter ErnährungsberaterInnen (SVDE)
→ www.svde-asdd.ch

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